Tiroler orten Stillstand und vermissen gemeinsamen Aufbruch
„Die Tiroler Arbeitnehmer beurteilen ihre persönliche Lebenssituation überwiegend positiv. Das betrifft jedoch nicht die nötigen politischen Weichenstellungen im Lande. Die Menschen vermissen schmerzlich eine generelle Aufbruchstimmung, von der alle Gruppen in Tirol profitieren würden. Ganz im Gegenteil: Sie orten politischen Stillstand im Land. In größter Sorge sind die Tiroler bei den Themen Zukunft der Familie und teures Leben. Die AK Tirol erhielt Bestnoten“, erläuterte AK Präsident Erwin Zangerl die Ergebnisse des jüngsten AK Stimmungsbarometers, das er im Rahmen der AK Vollversammlung präsentierte.
Lohnsteuer runter
Mehr als 880.000 Österreicher fordern bereits mit ihrer Unterschrift, dass die Lohnsteuer endlich gesenkt wird. Im AK Stimmungsbarometer sahen 66 Prozent der Tiroler darin eines der wesentlichen Zukunftsthemen!
An einem Strang ziehen. „Uns geht es vor allem um mehr Gerechtigkeit für alle Bevölkerungsgruppen. Es kann nicht sein, dass einige wenige auch weiterhin ihren Reichtum bequem vermehren können, während die aktiven und pensionierten Arbeitnehmer geschröpft werden und 80 Prozent des gesamten Steueraufkommens aufbringen müssen. Es ist höchste Zeit, dass endlich alle zum Staatshaushalt beisteuern“, fordert AK Präsident Erwin Zangerl. „Mehr Fairness muss das vorrangige Ziel der Steuerreform sein. Das funktioniert aber nur mit einem Senken der Lohnsteuer einerseits und einer Steuer für Schwerreiche andererseits!“
Wer profitiert?
Damit spricht der AK Präsident den Tirolern aus der Seele, wie die Umfrage ganz deutlich zeigt: Von den derzeit gültigen Steuerregelungen profitieren für 62 Prozent der Befragten die Besitzer von Millionenvermögen, für 42 Prozent die Börsenanleger und für 29 Prozent die Grundstücksbesitzer.
Vorschläge
Ganz deutlich brachten die Tirolerinnen und Tiroler aber auch zum Ausdruck, welche Maßnahmen gesetzt werden sollen
Platz 1 der „To do“-Liste nimmt mit 71 % das Senken der Lohnsteuer ein, danach folgen: Höhere Einkommenssteuer auf Spitzeneinkommen (61 %) und Vermögenssteuer auf Vermögen ab 800.000 Euro (55 %).
Interessantes Detail am Rande: Nach Altersgruppen bewerteten speziell die älteren Befragten die Steuerthematik als wichtig, und dabei wiederum vor allem diese oben angeführten Vorschläge.
Steuer für Schwerreiche
Auf die explizite Frage „Die AK macht sich für eine stärkere Besteuerung von Millionenvermögen stark. Wie stehen Sie grundsätzlich zu diesem Vorhaben?“ unterstützten insgesamt zwei Drittel (67 %) diese Forderung. Überdurchschnittlich große Zustimmung kam hier aus der Gruppe der Über-50-Jährigen (75 %) sowie aus dem Unterland (73 %).
Indiskutabel
Wenig bis gar nichts halten hingegen 74 Prozent der Tiroler von einer Einkommenssteuer auch auf kleine Einkommen, 73 Prozent von höherer Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer, je 62 Prozent von höherer Mineralölsteuer bzw. Grundsteuer oder 48 Prozent von Steuern auf Finanzvermögen, sprich Erspartes und Wertpapierdepots.
Demo für Steuerreform
„Wie groß Druck und Ärger bereits sind, zeigt sich aber wohl am besten darin, dass rund 63 Prozent, also knapp zwei Drittel Verständnis dafür haben, wenn die Leute für eine Lohnsteuersenkung auf die Straße gehen und friedlich demonstrieren würden“, verweist der AK Präsident auf ein weiteres Erhebungsergebnis. Zustimmung kam hier vor allem von Jüngeren bzw. höher Gebildeten. Und sogar ein Drittel der Befragten (32 %) könnte sich vorstellen, selbst an einer solchen Demonstration zur Lohnsteuersenkung teilzunehmen: Bei den Männern waren 36 Prozent potenzielle Demonstranten, bei den Frauen 27 Prozent. Auch hier kam überwiegend Zustimmung von Jüngeren bzw. höher Gebildeten.
Hohe persönliche Zufriedenheit
Trotz aller Widrigkeiten beurteilen die Tiroler ihre persönliche Lebenssituation positiv! 61 Prozent der Befragten waren zufrieden. Weitere 30 Prozent waren sogar sehr zufrieden (+ 6 %).
Stillstand überwinden
Gleichzeitig empfanden jedoch 31 Prozent einen großen, 13 Prozent sogar einen sehr großen Stillstand in Tirol. Skeptiker fanden sich vor allem bei höher Gebildeten sowie Kritikern der Landesregierung. Für zwei Drittel von ihnen ist dieser Stillstand beunruhigend. Allerdings liegen diese Werte deutlich unter jenen für Österreich (bundesweit empfanden 49 % großen, 35 % sehr großen Stillstand).
Angst vor der Zukunft
Den meisten Handlungsbedarf sehen die Tiroler mit 38 Prozent im Bereich Arbeit, beim Schaffen von Arbeitsplätzen und Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit. 24 Prozent nannten die Anliegen rund um Kinder, Jugend und Familie, wie z. B. Kinderbetreuung, 22 Prozent Umwelt, 21 Prozent Lebenshaltungskosten und steigende Preise, 20 Prozent die Wohnproblematik und 19 Prozent die Pensionen.
Familien unter Druck
Dementsprechend beurteilten sie auch die Situation der verschiedenen Gruppen: Am meisten machen die Lebens- und Arbeitsumstände nach Meinung der Befragten den Familien zu schaffen (55 %), dann folgen Arbeiter (48%), Personen mit Migrationshintergrund (35 %), Behinderte und Frauen (je 33 %), Beschäftigte im Gastgewerbe und Senioren (je 27 %).
Zukunftsthemen
Die wichtigsten Zukunftsthemen für die Landespolitik sind für die Tiroler: Schaffen bzw. Sichern von Arbeitsplätzen (73 %); Senken der Lebenshaltungskosten (71 %); Sichern der Pensionen (67 %); Senken der Lohnsteuer (66 %); Umwelt- und Naturschutz (65 %); Schaffen von Wohnraum (64%).
AK mit größtem Potenzial
„Diese Ziele werden wir mit vollem Einsatz beim Land einfordern“, betont AK Präsident Zangerl. Umso mehr freut es uns, dass die AK mit 37 Prozent die Bestnote unter den Tiroler Institutionen mit dem größten Zukunfts-Knowhow erhielt. „Eine Bestätigung, dass die Menschen wissen, dass sie auf die Arbeiterkammer zählen können, weil sie mit uns auf der sicheren Seite sind.“
Gute Noten für Landesregierung
60 Prozent der Tiroler waren mit der Arbeit der Landesregierung zufrieden, weitere 10 Prozent sogar sehr. Pluspunkte gab es vor allem von den Jüngeren. Auf die Frage, ob ÖVP oder Grüne bessere Arbeit leisten, antworteten 38 Prozent mit „beide in etwa gleich“ bzw. 21 Prozent mit „keiner von beiden“. 23 Prozent entschieden sich für Schwarz und 8 Prozent für Grün. „Das heißt aber nicht, dass sich die Regierung auf diesen Lorbeeren ausruhen darf!“ betont AK Präsident Zangerl. „Diesem Vertrauensvorschuss muss sie mit Einsatz bei den brennenden Themen gerecht werden!“
Dickes Minus für Bundesregierung
So positiv die Tiroler die Arbeit der Landesregierung bewerten, so hart gehen sie mit jener der Bundesregierung ins Gericht: 40 Prozent der Befragten sind damit weniger zufrieden, weitere 21 Prozent gar nicht. Bei den Männern vergaben 27 Prozent die schlechteste Note, bei den Frauen 16 Prozent. Und die Unzufriedenheit zieht sich relativ gleichmäßig durch alle Alters- und Bildungsgruppen.
