• Ohne Ganzjahresarbeitsplätze wird Tirol verarmen

    „Tirol benötigt jetzt dringend ein Konjunktur-Programm für neue und vor allem für gut bezahlte Vollzeit-Arbeitsplätze. Ein Nulldefizit beim Budget ist zwar erfreulich, bringt aber noch keinen Aufschwung. Dafür müssen jetzt Mittel in die Hand genommen werden“, schlug AK Präsident Erwin Zangerl im Rahmen der Vollversammlung vor. „Weniger als die Hälfte der Tiroler Beschäftigten können ganzjährig Vollzeit arbeiten! Diesem verhängnisvollen Trend muss Einhalt geboten werden. Denn die ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sind die Hauptträger der Steuerleistung und der Finanzierung der Sozialversicherung: 86 % des gesamten Tiroler Lohnsteueraufkommens und 74 % der jährlichen Sozialversicherungsbeiträge werden von den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten aufgebracht!“

    Zangerl: „Dabei haben wir gute Rahmenbedingungen. Bestens ausgebildete Fachkräfte, motivierte Beschäftigte, ein ideales Umfeld im Herzen Europas. Aber die Beschäftigungsqualität ist alarmierend und in einigen Bezirken dramatisch. Der Tourismus hat Wohlstand in einzelne Täler gebracht und Reichtum für einige Tourismusdynastien. Eine gute Schnee- und Buchungslage kann aber nicht länger darüber hinwegtäuschen, dass wir gerade in diesen Regionen immer größere Probleme feststellen. Die Politik des Landes muss endlich die Lebensrealitäten in Tirol erkennen und die dafür nötigen Strukturänderungen angehen.“

    Immer weniger ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze

    „In keinem anderen österreichischen Bundesland liegt der Anteil ganzjährig Vollzeitbeschäftigter niedriger als in Tirol, rechnet der AK Präsident vor. „2013 waren weniger als die Hälfte (47,7%) der Tirolerinnen und Tiroler in dieser Beschäftigungsform. In nur drei Tiroler Bezirken waren mehr als die Hälfte der Beschäftigten das ganze Jahr hindurch in einer Vollzeitstelle tätig – Innsbruck-Land, Kufstein und Reutte.“

    Zangerl: „Die ganzjährig Vollzeitbeschäftigten sind jedoch die Hauptträger der Steuerleistung und der Finanzierung der Sozialversicherung: 86 % des gesamten Tiroler Lohnsteueraufkommens und 74 % der jährlichen Sozialversicherungsbeiträge werden von den ganzjährig Vollzeitbeschäftigten aufgebracht!“

    „Besonders bedenklich ist“, so Zangerl, „dass der prozentuale Anteil der ganzjährigen Vollzeitarbeit in Tirol seit Jahren weiter zurückgeht. 2011 wurde erstmals die 50-%-Marke unterschritten. 2013 kam neu hinzu, dass nicht nur der relative Anteil zurückging, sondern dass tatsächlich weniger Personen in ganzjähriger Vollzeitbeschäftigung standen als im Jahr zuvor: Von 2012 auf 2013 reduzierte sich die Zahl der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten in Tirol um 1.820 Personen. Am stärksten war der Rückgang in den Bezirken Innsbruck-Land (-419 Personen), Schwaz (-317 Personen) und Lienz (-303 Personen).“

    Stark steigende Teilzeit

    Auf der anderen Seite machen die Teilzeitbeschäftigungen rund zwei Drittel der gesamten Beschäftigungszunahme in Tirol aus, und zu fast 80 % ist die Zunahme der Teilzeitbeschäftigung weiblich. Zangerl: „Teilzeitarbeit kann in vielen Lebenssituationen die richtige, oft auch die einzige Alternative sein – etwa bei fehlender oder zu teurer Kinderbetreuung. Mittel- bis langfristig birgt sie aber erhebliche Herausforderungen. Neben möglichen Auswirkungen auf die öffentliche Finanzierung ist es vor allem der geringere Pensionsanspruch, den lang anhaltende Teilzeitbeschäftigung mit sich bringt. Dies birgt eine erhöhte Gefahr von Armutsgefährdung im Alter mit sich – gerade im Hochpreisland Tirol eine reale Möglichkeit. Frauen sind von dieser Entwicklung im besonderen Maße betroffen.“

    Konjunktur-Programm für gute Arbeitsplätze

    Der AK Präsident schlägt daher Maßnahmen gegen diese Entwicklung vor: „Es gehören Förderungen und Aufträge der öffentlichen Hand an Qualitätskriterien für die Beschäftigung der ausführenden Unternehmen gebunden. Unternehmen, die stabile Ganzjahresarbeitsplätze in Tirol schaffen, sind zu bevorzugen. Dringend zu fordern ist auch ein weiterer Ausbau von leistbarer Kinderbetreuung vor Ort. Die Öffnungszeiten während des Tages und unter dem Jahr müssen die Arbeitsrealität der Beschäftigten widerspiegeln. Eine Erweiterung der Betreuungsmöglichkeiten verhilft vor allem Frauen zu einer leichteren und stärkeren Integration in den Arbeitsmarkt. Neben Kindergärten und Ganztagesschulen ist ein deutlicher Ausbau der Pflegedienste ein wichtiger Beschäftigungsmotor. All das kommt direkt den Betroffenen zugute und ist ein effizienter Mitteleinsatz. Wir fordern aber auch verstärkte Kontrollen: Die Öffnung des Arbeitsmarktes hat gerade bei den niedrig qualifizierten Arbeitnehmern zu einem Verdrängungswettbewerb geführt. Es muss sichergestellt werden, dass bei den ausländischen Arbeitnehmern die arbeits- und sozialrechtlichen Standards eingehalten werden. Unternehmen, die diese unterlaufen, müssen entsprechend abgestraft werden.“