• Dramatische Arbeitslosenzahlen in Tirol beweisen – Es fehlen tausende Vollzeitarbeitsplätze!

    „Jetzt müssen bei Politik und Wirtschaft die Alarmglocken schrillen. Das, wovor die Arbeiterkammer seit Monaten warnt, ist eingetreten. Die Arbeitslosenzahlen steigen weiterhin dramatisch“, schlägt AK Präsident Erwin Zangerl Alarm. „Mehr als 25.000 Menschen (inkl. Schulungsteilnehmer) sind in Tirol offiziell arbeitslos gemeldet. Die Statistik vom März ist deprimierend. Tirol verzeichnet den höchsten Zuwachs in ganz Österreich. Hauptbetroffen sind Ältere und Frauen. So darf es nicht weitergehen.“

    Düstere Prognose. Trotz Rekordbeschäftigung verzeichnet Tirol mit einer Arbeitslosenquote von 6,6 % den höchsten Wert seit 1954! Gegenüber dem Vorjahresmonat gar eine Zunahme von 27,6 %! Und es steht zu befürchten, dass sich dieser Wert im Lauf des heurigen Jahres gar auf bis zu 7 % steigern könnte.

    Zangerl: „Angesichts dieser Probleme ist es jetzt entscheidend, dass eine aktive Arbeitsmarkt- und Betriebsansiedelungspolitik betrieben wird. Der ersten Schritte müssten folgende sein: Unternehmen, die ältere Mitarbeiter beschäftigen, sollen über ein Bonus-Malus-System belohnt werden. Alle Behörden, die gegen Lohn- und Sozialdumping eingesetzt werden, gehören personell aufgestockt, damit Unternehmen wirksam kontrolliert werden können. Und schließlich müssen die Strafen für Lohn- und Sozialdumping empfindlich erhöht werden. Im Bereich der Standportpolitik ist es wichtig, neue und attraktive Betriebe nach Tirol zu bringen. Deshalb verlangen wir auch, dass die bisherigen Leistungen der Tiroler Standortagentur überprüft werden und künftig die Arbeitnehmervertreter eingebunden werden, um die Interessen der Tiroler Beschäftigten und nicht nur der ansässigen Betriebe sicherzustellen. Immerhin geht es hier jährlich um 7 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln.“

    Parallel dazu müssen noch mehr Anstrengungen unternommen werden, um die Bildungsoffensive für die Beschäftigten voranzutreiben. Die möglichst breite Vermittlung von Qualifikation und guter Fachausbildung ist für den Einzelnen nach wie vor das beste Rezept gegen das Gespenst Arbeitslosigkeit.

    Arbeit statt Jobs. Höhere Arbeitslosigkeit trotz höherer Beschäftigung? Ein Widerspruch? Nein! Denn wenn man die Qualität der neuen Tiroler Arbeitsplätze näher betrachtet, sieht man das Dilemma, in dem sich unsere Beschäftigten befinden. Es gibt immer weniger ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze, die jedoch für den Wohlstand und die soziale Sicherheit des Einzelnen und der Allgemeinheit von größter Bedeutung sind.

    AK Präsident Erwin Zangerl: „Wir brauchen gute Arbeit, statt schneller Jobs. Weniger als die Hälfte der Tirolerinnen und Tiroler arbeiten inzwischen in einer ganzjährigen Vollzeitarbeit. Das ist der niedrigste Wert in Österreich! Tirol ist auf dem bedenklichen Weg zum saisonalen Teilzeitland. Bei uns fehlen tausende Vollzeitarbeitsplätze, und zwar in allen Regionen. Das Land darf nicht länger die Augen davor verschließen, dass wir laufend gute Arbeitsplätze verlieren und Jobs, die nicht existenzsichern sind, immer stärker überhand nehmen.“

    Teilzeitland. Zangerl: „Worauf wir immer mahnend hingewiesen haben, ist eingetreten: Tirol hat sich zum Teilzeitland Nummer Eins entwickelt. Aber nicht weil das die Menschen wollen, sondern weil sie sonst keine Beschäftigung bekommen. Die neuen Beschäftigungen wurden zu fast zwei Drittel im Bereich der Teilzeitarbeit geschaffen. Mehr als die Hälfte der Frauen und rund 8 % der Männer sind nicht mehr Vollzeit beschäftigt.

    Es geht um Qualität. Entscheidender als das reine Zählen von neuen Jobs ist die Qualität unserer Arbeitsplätze, warnt der AK Präsident: „Das Arbeitszeitausmaß, ganzjährige Beschäftigung, zufriedenstellende Verdienstmöglichkeiten, Arbeitsplatz-Sicherheit, die Möglichkeiten der Weiterbildung, berufliche Perspektiven, zusätzliche Leistungen etc. – Das alles sind Indikatoren, die gute Arbeit ausmachen. Und da hat sich leider vieles zum Schlechteren entwickelt.“