• Aus für Fachkräftestipendium falsches Signal – Land sollte Modell weiterführen!

    Der Verwaltungsrat des Arbeitsmarktservice (AMS) hat am 23. Juni 2015 mehrheitlich, gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter, beschlossen, für die Jahre 2016 und 2017 keine neuen Fachkräftestipendien mehr zu bewilligen. AK Präsident Erwin Zangerl: „Das ist das völlig falsche Signal. Wenn schon dem AMS die Mittel dafür gekürzt werden, sollte das Land das Modell des Fachkräftestipendiums von sich aus weiterführen. Eben erst wurde vom Land eine Fachkräfteoffensive angekündigt. Damit könnten unsere heimischen Arbeitnehmer vor allem in Mangelberufen sinnvoll qualifiziert werden, statt im Ausland nach geeigneten Arbeitskräften zu suchen.“

    „Es ist dramatisch, wie Monat für Monat die Arbeitslosigkeit steigt. Der Arbeitsmarkt muss oberste Priorität haben“, verlangt AK Präsident Erwin Zangerl. „Den Worten müssen nun Taten folgen. Deshalb kommt von der AK Tirol ein klares Nein zum geplanten Aus für das Fachkräftestipendium für 2016 und 2017.“

    Die AK Tirol spricht sich vielmehr für eine Weiterführung des Fachkräftestipendiums aus. Zangerl: „Notfalls sollte das Land Tirol für diese vernünftige Maßnahme in die Bresche springen. Gerade eben erst wurde vom Arbeitslandesrat Hannes Tratter und der Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf eine Fachkräfteoffensive angekündigt. Zur Qualifizierung vor allem in den Mangelberufen wäre das Modell Fachkräftestipendium ideal, heimische Arbeitnehmer zu qualifizieren, statt im Ausland nach geeigneten Arbeitskräften zu suchen“, schlägt Zangerl vor. „Es müssen vielmehr alle Aktivitäten im Bereich der Arbeitsvermittlung und Qualifizierung intensiviert statt reduziert werden“.

    Der AK Präsident: „Gerade jetzt müssen sich gering und mittel qualifizierte Arbeitnehmer und Arbeitslose zielgerichtet weiterbilden können. Nur so haben sie eine Chance in der heutigen Arbeitswelt. Dazu gehören die Sicherung des AMS-Budgets, die Verstärkung der Aus- und Weiterbildungsangebote insbesondere für gering Qualifizierte, Verbesserungen im Leistungsrecht insbesondere bei der Notstandshilfe, Bereitstellung von passenden Angeboten für Langzeitarbeitslose oder die Übernahme der Kosten für Arbeitslosengeld durch das Unternehmen bei Wiedereinstellung innerhalb von drei Monaten.“

    Der AK Präsident kritisiert in diesem Zusammenhang, „dass die Regierung zwar die Mittel für Lohnsubventionen an Unternehmer massiv aufstockt, gleichzeitig aber bei Weiterbildungsmaßnahmen des AMS massiv auf die Bremse steigt, sodass das AMS sich das Fachkräftestipendium nicht mehr leisten kann.“

    Was ist das Fachkräftestipendium?

    Das Fachkräftestipendium wurde im Juli 2013 eingeführt. Es ermöglicht mittelqualifizierten Arbeitnehmern und Arbeitslosen eine Ausbildung in sogenannten Mangelberufen, also jenen, die am Arbeitsmarkt nachgefragt sind. Dabei finanziert das AMS für maximal drei Jahre das Fachkräftestipendium in Höhe der Ausgleichszulage (828 Euro monatlich) bzw. in der Höhe des Arbeitslosengeldes. Das Fachkräftestipendium kann nach 4 Jahren arbeitslosenversicherter Beschäftigung innerhalb der letzten 15 Jahre beim AMS beantragt werden. Es gebührt für die Dauer der Teilnahme an der Ausbildung, jedoch mindestens drei Monate und höchstens drei Jahre.

    Gefördert werden Personen mit einer bisherigen Qualifikation unter dem Fachhochschulniveau und Ausbildungen, die zu einer Höherqualifizierung und einem Abschluss in Bereichen führen, in denen ein Mangel an Fachkräften herrscht. Das AMS führt dazu eine Liste von förderbaren Ausbildungen (Schwerpunkte: Gesundheit/Pflege, Technik).

    Bereits seit Jänner 2015 wurde diese Liste stark eingeschränkt. So strich man z.B. Ausbildungen zur Pflegehilfe und zu den Sozialbetreuungsberufen (Altenhelfer, Behindertenarbeit, Familienhilfe).

    Laut WK-Präsident Christoph Leitl habe das Fachkräftestipendium nicht funktioniert und sei zu teuer. Begründet wurde dies mit falschen Zahlen zum Fachkräftestipendium. Dem widerspricht die AK Tirol ganz klar, hat man doch im Rahmen der AK Bildungsberatung mit dem Fachkräftestipendium sehr gute Erfahrungen gemacht.

    Laut Abfrage beim AMS Tirol gab es mit Stichtag Anfang Juli in Tirol und in Österreich tatsächlich folgende Anzahl von genehmigten Fachkräftestipendien:

    Jahr 2013:

    Österreich 1.365

    Tirol 143

    Jahr 2014

    Österreich 4073

    Tirol 452

    Jahr 2015:

    Österreich 529*

    Tirol 70*

    * Kürzung der Liste förderbarer Ausbildung seit Jänner 2015

    Seit dem Jahr 2013 konnten sich somit österreichweit knapp 6.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, aber auch Arbeitslose mit Hilfe des Fachkräftestipendiums höherqualifizieren, ohne dass sie von der Zustimmung der Dienstgeber abhängig waren (wie bei der Bildungskarenz und der Bildungsteilzeit). Zudem war diese Maßnahme voll beschäftigungswirksam, weil ja in den Mängelberufen ausgebildet wurde.