AK Vollversammlung im Zeichen von 70 Jahre Wiedererrichtung der Arbeiterkammer Tirol 1946
Der 13. April 1946 war ein denkwürdiger Tag für die Tiroler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Vor 70 Jahren konstituierte sich die Arbeiterkammer Tirol in der Zweiten Republik neu. Im Rahmen ihrer Vollversammlung gedachte die AK Tirol in einem kurzen Rückblick der Wiedererrichtung der gesetzlichen Interessenvertretung der Arbeitnehmer nach dem Zweiten Weltkrieg.
AK Präsident Erwin Zangerl erinnerte in seinem Rückblick: „Die Arbeiterkammer wurde zwischen 1933 und 1945 mundtot gemacht, verboten und abgeschafft, um die Arbeitnehmerschaft zu schwächen. Wir haben diese dunkle Zeit überstanden. Die erste Sitzung am 13. April 1946 konnte bereits am heutigen Ort stattfinden, im AK Saal in der Innsbrucker Maximilianstraße.“
„Große Aufgaben sind es, die ihnen bevorstehen.“ Mit diesen Worten begrüßte der damalige LHStv. Dr. Gamper die Kammerräte der Vollversammlung, im Beisein des Gouverneurs der französischen Besatzung sowie des Innsbrucker Bürgermeisters Dr. Melzer. Und weiters führte er aus: „Unsere Wirtschaft liegt am Boden, sie muss wieder aufgebaut werden, soll der Arbeiter in Zukunft leben. Unsere soziale Gesetzgebung muss wieder aufgebaut und erweitert werden. Die Vorschläge hierzu müssen von Ihrer Initiative ausgehen, und dass die Vorschläge auch Gesetzeskraft annehmen, dafür werden Sie mit dem vollen Einsatz Ihrer Kraft sorgen müssen.“
Josef Wilberger stellte als erster AK Präsident in der 2. Republik damals fest: „Es sind nicht nur die Trümmer der zerbombten und ausgebrannten Häuser, die zu beseitigen sind. Die ganze Wirtschaft, Kultur in jeder Spielart und vor allem auch die Ethik ist ein Trümmerfeld. Die Interessen der Arbeiterschaft sind vielfältig, auf allen Lebensgebieten ist ihre Geltendmachung und Vertretung notwendig, aber das primäre, das notwendige, das brennende Problem ist der Wiederaufbau der Wirtschaft und dabei steht für uns die Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft an erster Stelle.“
AK Präsident Erwin Zangerl verwies auf das bisher Geleistete: „Wir haben diesen damaligen Auftrag im Sinne der Tiroler Arbeitnehmer bestmöglich erfüllt. Die letzten 70 Jahre waren eine Erfolgsgeschichte für die Tiroler Arbeitnehmer. Der Schutz der Beschäftigten, das Arbeitsrecht, das Sozialrecht, der Arbeitnehmerschutz und der Konsumentenschutz wurden auf Basis unzähliger Vorschläge und Initiativen der AK ausgebaut. Die Mitglieder erhalten bei der AK kostenloses Know-how und bei Bedarf auch kostenlose Rechtsvertretung durch anerkannte Experten. Und die österreichische Form der Sozialpartnerschaft hat wesentlichen Anteil daran, dass Österreich zu den zehn wirtschaftlich reichsten und friedlichsten Ländern der Erde gehört.
Erinnert werden muss auch an heute selbstverständliche Leistungen wie Sozialversicherung, Lehrlingsausbildung, Mitbestimmung in den Betrieben, Karenzgeld, 40-Stunden-Woche, Gleichbehandlungsgesetz und den Schutz von Leiharbeitskräften.“
Zangerl ging aber auch auf die derzeitige und künftige Situation für die Tiroler Arbeitnehmer ein: „Immer noch werden Arbeitnehmervertretungen in Frage gestellt, wenn es um gerechte Löhne, Chancengleichheit und Mitsprache im Betrieb geht. Die Steuerflucht, die Konzentration des Kapitals, die Frage der gerechten Besteuerung von Arbeit und Vermögen, aber auch der massive Strukturwandel in der Wirtschaft werden uns in den nächsten Monaten und Jahren vor große Herausforderungen stellen. Wir wollen diesen Prozess positiv begleiten und auch die Chancen und Möglichkeiten dieser Entwicklung aktiv mitbeeinflussen. Auf eines werden wir mit Sicherheit achten: Es darf zu keiner Spaltung unserer Gesellschaft kommen. Denn unser aller Wohlstand beruht auf Toleranz, auf Solidarität, dem fairen sozialen Ausgleich und der gegenseitigen Wertschätzung. Diese demokratischen Werte gilt es zu sichern und auszubauen.“
Abschließend zitierte Zangerl noch den damaligen Tiroler AK Präsidenten Josef Wilberger, der bei der ersten Vollversammlung 1946 sagte: „Wir können den Geist des Nazismus, wie überhaupt den Geist jeglicher Gewalt nur dann ausrotten, wenn wir den Menschen ein geordnetes und friedsames Leben ermöglichen!“
