Ruf nach mehr Köchen ist der Ruf nach noch billigeren Arbeitskräften!
Mit Unverständnis reagiert AK Präsident Erwin Zangerl auf den neuen Aufschrei seitens der Wirtschaftskammer. Der Fachkräftemangel würde biblische Ausmaße annehmen, so der Tenor. Grund genug, um Köche auf die Liste der Mangelberufe zu setzen. „Man jammert ständig über fehlende Fachkräfte, ohne endlich die Ursachen für diesen Mangel zu beseitigen“, sagt Zangerl. Bereits vor einem Jahr haben AK und Österreichischer Gewerkschaftsbund aufgezeigt, wo die Probleme beginnen, nämlich beim Nachwuchs. „Viele der jungen Leute sind laut Lehrlingsmonitoring mit der Ausbildung und dann letztlich auch mit der Berufswahl unzufrieden, nur rund die Hälfte würde sich nochmals für den Beruf entscheiden“, so Zangerl. Kein Wunder also, dass etwa ein Großteil der ausgelernten Köche das Berufsfeld wechseln. Ein Faktor ist auch die Bezahlung. Überstunden sind – auch während der Lehre – gang und gäbe, der kollektivvertragliche Lohn für einen Koch liegt bei 1.490 Euro brutto, wobei Überstunden oft nicht bezahlt werden und sich Saisonarbeit später negativ auf die Pension auswirkt. „Dass hier oft weit mehr bezahlt wird, wie oft behauptet, ist nicht die Regel, sondern die Ausnahme“, erklärt der AK Präsident die prekäre Situation im Tourismus.
Zangerl: „Allein im Jahr 2015 beendeten in Tirol 260 Köche und 160 Kellner ihre Lehre, zudem gab es zusätzlich 130 fertig ausgebildete Hotel- und Gastgewerbeassistenten. Dazu kommen weitere 300 Absolventen aus den Tiroler Tourismusschulen. Somit haben rund 850 junge Menschen pro Jahr diese Berufsausbildung absolviert. Ich frage mich: „Wohin gehen diese jungen Menschen? Statt die Ursachen zu erforschen, wird trotzdem ständig über Personalnot geklagt. Und die Lösung wäre doch, dafür zu sorgen, dass diese Leute mit ihrem Beruf, ihrer Bezahlung und ihrem Umfeld im eigenen Land zufrieden sind. Aber scheinbar man holt sich lieber billige Arbeitskräfte, egal woher.“
Zahlenspiele. Anstelle für ein Arbeitsumfeld zu sorgen, in dem heimische Kräfte eine Zukunft sehen, geht man allzuoft den umgekehrten Weg und will billige und willige Arbeitskräfte importieren. Da diese aufgrund der Bedingungen auch aus EU-Staaten kaum mehr zu rekrutieren sind, sollen sie nun aus sogenannten Drittländern kommen. Dies ist möglich, wenn ein Beruf auf die Mangelliste gesetzt wird, so wie jetzt bei den Köchen gefordert. Um dies zu untermauern, wird mit Horrorzahlen hantiert. „Interessanterweise scheinen hunderte von touristischen Fachkräften zu fehlen, nur frage ich mich dann, warum etwa im Jänner 2016 324 Köche und 731 Kellner arbeitssuchend gemeldet waren. Und wir sprechen hier von der Hochsaison“, gibt Zangerl zu bedenken. Mit November 2016 waren 3.049 Köche und Kellner beim AMS als arbeitslos gemeldet, 90 Prozent davon mit Einstellungszusage.
Für den AK Präsidenten steht fest, dass der Ruf nach mehr Fachkräften auch ein Ruf nach billigeren Arbeitskräften ist. „Wir brauchen fairen Lohn und faire Bedingungen für die gute Arbeit unserer heimischen Arbeitskräfte. Alles andere führt nur zu Lohndumping, und das kann weder im Sinne der Wirtschaft, noch im Sinne der Landesregierung sein.“
