Nicht die Mindestsicherung ist zu hoch, die Tiroler Löhne sind zu niedrig!
„Die neuesten Einkommensdaten zeigen ein beschämendes Bild unserer Bundeslandes“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl. Aber anstatt ordentliche Löhne zu bezahlen, kritisieren die Wirtschaftsfunktionäre die angebliche soziale Hängematte, dass die Mindestsicherung zu hoch und dass dadurch der Anreiz, eine Beschäftigung anzunehmen, zu gering sei. Zangerl: „Genau das Gegenteil ist der Fall! Nicht die Mindestsicherung gehört reduziert, sondern die beschämend niedrigen Löhne endlich ordentlich erhöht und zwar so, dass die Tirolerinnen und Tiroler von ihrer Arbeit auch leben können. Darum sollten sich die Wirtschaftskammerfunktionäre kümmern.“
Leider bleibt es dabei: Tirol ist im Einkommensvergleich der Bundesländer ganz hinten und zählt zu jenen mit den höchsten Lebenshaltungskosten. „Angesichts exorbitanter Wohn- und Lebenskosten ist für viele Bürger unseres Landes diese Schere bereits zu weit aufgegangen. Deshalb ist eine Neuorientierung der Standortpolitik des Landes gefordert. Vor allem in den stark touristisch geprägten Regionen fehlen einkommensstabile, ganzjährige Beschäftigungsalternativen“, so der AK Präsident.
Auch bei ganzjähriger Vollzeitarbeit, das heißt bei gleichem Arbeitsaufwand, lagen die Einkommen der Tirolerinnen und Tiroler zurück. Den Männern in dieser Beschäftigungsform fehlen pro Monat rund 120 Euro netto, den Frauen fast 150 Euro netto, um den österreichischen Durchschnitt zu erreichen.
Zangerl: „Ein drängender werdendes strukturelles Problem des Tiroler Arbeitsmarktes ist die Entwicklung der ganzjährigen Vollzeitarbeitsplätze. Weniger als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, nämlich 47,7 %, sind in dieser Beschäftigungsform tätig. Der Trend zeigt weiter nach unten, denn zwei Drittel aller neu geschaffenen Arbeitsplätze sind im Teilzeitbereich und nur ein Drittel sind Vollzeitarbeitsplätze. Ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze sind aber von enormer Bedeutung: Sie erwirtschafteten pro Jahr 86 % der gesamten Lohnsteuer und leisteten 72% aller Sozialversicherungsbeiträge in Tirol.
Zangerl: „Tirol ist den Beschäftigten lieb und teuer, es darf aber nicht unfinanzierbar werden. Wenn schon die Tiroler Beschäftigten bei den Löhnen knapp gehalten werden, sollten die öffentliche Hand bei den Gebühren und Tarifen sowie die Immobilienwirtschaft, die Gastronomie und der Handel zumindest bei den Preisen mehr Disziplin halten. Wir sind ein Hochpreis- und gleichzeitig ein Niedrigeinkommensland. Jeder Tiroler kann dadurch um 260 Euro weniger pro Monat in die heimische Wirtschaft investieren. Es liegt also an den Unternehmen, ihre Mitarbeiter ordentlich zu entlohnen. Denn wenn´s den Beschäftigten gut geht, geht´s auch der Wirtschaft gut.“
