Fachkräfteoffensive für Ältere: 33.000 Menschen ohne Arbeit Ältere und junge Beschäftigte sind die Verlierer
„Am meisten sorgen sich die Tirolerinnen und Tiroler um ihre berufliche Zukunft. Tirol benötigt dringend gute Arbeitsplätze, in genügender Zahl, ganzjährig und Vollzeit, und das in allen Regionen. Angesichts von derzeit mehr als 33.000 Arbeitslosen besteht dringender Handlungsbedarf im Land“, betonte AK Präsident Erwin Zangerl in seinem Bericht im Rahmen der Vollversammlung. „Die AK wünscht sich von der Politik einen stärkeren Fokus auf den Arbeitsmarkt. Es braucht mehr Initiativen für mehr Arbeit. Denn nichts ist für unser Sozialsystem teurer als die unerträglich hohe Arbeitslosigkeit.“
Der AK Präsident ging in seiner Rede vor allem auf die dramatische Beschäftigungslage in Tirol ein: „Bei aktuell mehr als 33.000 Arbeitsuchenden müssen die Alarmglocken schrillen, noch dazu wird vom AMS auch in den nächsten Monaten kaum Entwarnung gegeben. Politik und Wirtschaft haben jetzt alles daranzusetzen, Arbeit zu schaffen und die bestehende Beschäftigung zu sichern. Wenn die Wirtschaft immer wieder behauptet, nur sie schaffe die Arbeitsplätze, dann soll sie das auch endlich tun, statt über die Rahmenbedingungen zu jammern. Die Wirtschaft ist nicht zum reinen Selbstzweck da, sondern sie hat auch gegenüber der Gesellschaft Verantwortung wahrzunehmen und kann sich nicht dieser Verpflichtung entziehen.“
Zangerl: „Das Problem der Arbeitslosigkeit gilt für Tirol als Ganzes und für seine Teilregionen mit ihren spezifischen Herausforderungen. Besonders bedenklich“, so der AK Präsident, „ist die Tatsache, dass zwar die Zahl der Beschäftigten zunimmt, aber auch die Zahl der Arbeitsuchenden signifikant gestiegen ist. Von 2010 bis 2014 stieg die Zahl der Beschäftigten in Tirol um fast 18.400 Personen an. 2014 waren in Tirol 314.986 Personen beschäftigt, um 6,2 % mehr als vier Jahre zuvor. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Arbeitslosen in Tirol jedoch um 21,3 %!“
Zangerl: „Waren 2010 noch 19.154 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt zu verzeichnen, so gab es im Jahr 2014 bereits 23.242 Betroffene, das sind um 4.088 Menschen mehr als vier Jahre zuvor.“
Problembezirke. Regional betrachtet gab es große Unterschiede. Ausgerechnet die eher gewerblich-industriell geprägten Regionen Innsbruck-Stadt und Innsbruck-Land (beide zusammen bilden einen Arbeitsmarktbezirk) und Kufstein waren von der größten Ausweitung von Arbeitslosigkeit betroffen. In Innsbruck-Stadt und Innsbruck-Land stieg die Zahl der Arbeitslosen um 36,4 % (+2.366 Personen) und in Kufstein um 23,2 % (+579 Personen). Zusammen machen beide Regionen mehr als zwei Drittel (72%) der Gesamtzunahme der Arbeitslosigkeit in Tirol aus. In Reutte stieg die Arbeitslosigkeit um „lediglich“ 3,8 % an, in Imst um 7,8 %.
Ältere sind die Verlierer. Eine besonders negative Entwicklung am Tiroler Arbeitsmarkt nahm die Arbeitslosigkeit der Älteren. Die Zahl der Arbeitslosen im Alter 50+ nahm von 2010 bis 2014 um 2.180 Personen bzw. um 61,6 % zu! Im Arbeitsmarktbezirk Innsbruck/Innsbruck-Land stieg die Zahl der Arbeitslosen im Alter 50+ innerhalb von vier Jahren um beinahe 80 %! Und in fünf weiteren Bezirken – Kitzbühel, Kufstein, Landeck, Lienz, und Schwaz – nahm die Arbeitslosigkeit der Älteren jeweils um mehr als 50 % zu.
Insgesamt war die Gruppe der arbeitslosen Über-50Jährigen für mehr als die Hälfte der Gesamtzunahme der Arbeitslosigkeit in Tirol verantwortlich. In vier Bezirken – Imst, Landeck, Lienz und Reutte – war sogar die gesamte Zunahme der Arbeitslosig¬keit ausschließlich auf die Personen im Alter 50+ zurückzuführen.
Zangerl: „Schon beim Verlust des Arbeitsplatzes finden Ältere kaum noch in das Arbeitsleben zurück. Kommen dann nocj gesundheitliche Probleme hinzu, gibt es derzeit fast keine Chance mehr, wieder eine Beschäftigung zu finden. Wir brauchen mehr gesunderhaltende Arbeitsplätze, mehr Wertschätzung und mehr Qualifikation. Der Begriff Facharbeitermangel dient seit Jahren in vielen Bereichen dazu, billigere ausländische Kräfte ins Land zu holen, statt die Langgedienten wertzuschätzen und ihren Arbeitseinsatz zu honorieren.“
Der AK Präsident schlägt daher mehrere Sofortmaßnahmen vor: „Es benötigt einen Ausbau der aktiven Arbeitsmarktpolitik und dafür auch mehr Mittel. Gerade jetzt ist die Kürzung der AMS-Gelder, vor allem für den Aus- und Weiterbildungsbereich, das falsche Signal. Es geht um wichtige Bildungs- und Berufsabschlüsse, denn gerade in dieser Gruppe sind überdurchschnittlich viele von Arbeitslosenbetroffenheit. Die Arbeiterkammer Tirol fordert die Bundesregierung neuerlich auf, endlich das im Regierungsprogramm verankerte Bonus-Malus-System für die Beschäftigung älterer Dienstnehmer umzusetzen. Außerdem müssen die öffentlichen Unternehmen jetzt vorbildhaft vorangehen, konjunkturstabilisierende Investitionen tätigen und Mitarbeiter im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen einstellen. Gerade in den Regionen ist das von enormer Bedeutung: Die öffentliche Dienstleistung bietet im Vergleich gute Einkommen und erhält die Infrastruktur vor Ort.“
