• Höhere Löhne durch gezieltere Wirtschaftsförderung

    Die Tirolerinnen und Tiroler verdienen am wenigsten und die realen Einkommen gehen stärker zurück als im Österreich-Vergleich. Mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 1.331 Euro haben die Tiroler Arbeitnehmer zehn Prozent pro Monat weniger auf dem Gehaltskonto. Aufs Jahr gerechnet haben die Tiroler Beschäftigten mehr als 2.000 Euro netto weniger zur Verfügung. Das unterstreicht der jüngste Einkommensbericht, den AK Präsident Erwin Zangerl der Vollversammlung vorlegte.

    Zangerl: „Tirol ist seit Jahren konstant Schlusslicht bei den Einkommen in Österreich – und das bei höchsten Lebenshaltungskosten. Der Einkommensnachteil ist auch nicht durch die Saisonarbeit bedingt, sondern tritt auf vielen Ebenen auf: In Branchen, Regionen, in Vollzeit und Teilzeit, bei Männern und Frauen. Ein Aufholprozess bei den Tiroler Einkommen ist nicht sichtbar.“

    Landeck ganz hinten

    Fünf Tiroler Bezirke – Imst, Kitzbühel, Landeck, Lienz und Schwaz – liegen um deutlich mehr als 10 % hinter dem österreichischen Durchschnittseinkommen zurück. Landeck ist mit einem Rückstand von 22 % seit Jahren sogar der einkommensschwächste Bezirk Österreichs.

    Selbst bei ganzjähriger Vollzeitarbeit verdienten die Tiroler Beschäftigten um 5,7 % weniger als im österreichischen Durchschnitt. Auf ein Jahr gerechnet erzielten die Tiroler Vollzeitbeschäftigten um 1.684 Euro weniger Nettoeinkommen als im österreichischen Durchschnitt.

    Zangerl: „Die Probleme, die wir in Tirol haben, sind seit langem bekannt, doch die Politik scheint nicht gewillt, etwas daran zu ändern. Die laufend weiter sinkenden Einkommen haben auch mit einer verfehlten Standortpolitik zu tun. Dazu kommen noch die höchsten Preise für Leben und Wohnen.“

    Löhne müssen kräftig steigen

    „Tirol wird zum Niedriglohn- und Hochpreisland. Die schlechten Einkommen spiegeln aber auch die Veränderung der Tiroler Beschäftigungsstruktur wider. Ursachen sind die Zunahme „atypischer“ Beschäftigungsformen. Auch die Problematik der Saisonbeschäftigung in den tourismusintensiven Bezirken zeigt sich deutlich. Verantwortlich ist aber auch das Entlohnungsverhalten mancher Firmen. Sie bezahlen viele Überstunden nicht oder stufen zu niedrig ein“, so der AK Präsident.

    Zangerl: „AK und ÖGB werden nicht müde, die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten aufzuzeigen und dagegen vorzugehen. Mit Kontrollen bei Einstufungen und auf die richtige KV-Zugehörigkeit und, ebenso bei Lohnabrechnung und bei Nicht-Bezahlung der geleisteten Überstunden. Doch leider sind Wirtschaft und Politik kaum ernsthaft gewillt, an dieser Situation etwas zu verändern.

    Einen Umschwung wird es nur geben, wenn wir in Tirol neue Betriebe vor allem im Gewerbe und in der Industrie ansiedeln und die bestehenden guten Unternehmen fördern: Es raucht eine ausreichende Zahl an Firmen, die Vollzeitarbeit anbieten, diese auch fair entlohnen, und damit auch anerkennen, welche Leistung die Tiroler Beschäftigten täglich erbringen“.

    Arbeit mit Qualitätssiegel

    Zangerl. „Die Arbeiterkammer Tirol fordert nicht nur Qualität bei den heimischen Produkten, sondern auch ein Qualitätssiegel für Tirols Arbeitsplätze. Neben der Schaffung von Arbeitsplätzen in einem ausreichenden Maß, ist die Qualität der Arbeitsplätze eine eigenständige Zielsetzung. Arbeit muss eine gedeihliche Existenzsicherung ermöglichen und berufliche sowie persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten bieten, soll sie minimalen Qualitätskriterien entsprechen.“

    „Wichtig“, so Zangerl, „ist auch eine regional fokussierte Standortentwicklung: Vor allem in den stark touristisch geprägten Regionen fehlen ganzjährige Beschäftigungsalternativen.“ Daneben braucht es auch den Ausbau sozialer Dienstleistungen wie Kindergärten und -horte, Ganztagesschulen und Pflegeeinrichtungen. Denn auch das betrifft massiv die Einkommenslage, weil dadurch die Arbeitszeiten erhöht werden können. Vor allem im ländlichen Raum muss das Netz sozialer Dienstleistungen dichter werden.

    Gezielte Wirtschaftsförderung

    Festzuhalten ist, dass pro Jahr rund 170 Millionen Euro an Landesmitteln in die Förderung von Wirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus fließen. Allein der Tourismus erhält pro Jahr mehr als 65 Millionen Euro. Im Bereich Wirtschaftsförderung wird oft nach wenig nachvollziehbaren und höchst intransparenten Kriterien vorgegangen. Hier müssen die Gelder gezielter eingesetzt werden, wobei vor allem jenen Betrieben der Vorzug zu geben ist, die damit tatsächlich neue Arbeitsplätze schaffen, vor allem mit dem Schwerpunkt auf ganzjährige Vollzeitbeschäftigung.

    Betriebsansiedlungspolitik überprüfen

    Die 170 Millionen Euro an Wirtschaftsförderung des Landes müssen zielgerichteter eingesetzt und transparenter gemacht werden. Wir verlangen, dass mit diesen Mittel in erster Linie Betriebe unterstützt werden, die zusätzlich vor allem ganzjährige Vollzeitarbeitsplätze schaffen. Als zentrales Instrument der Tiroler Standortpolitik muss auch die Standortagentur Tirol einer kritischen Überprüfung unterzogen werden: Wie viele der Arbeitsplätze der von der Standortagentur nach Tirol geholten Unternehmen konnten tatsächlich dauerhaft realisiert werden? Wie viele dieser Arbeitsplätze sind Ganzjahresarbeitsplätze? Hier handelt es sich immerhin um ein 7- Mio.-Euro-Budget mit 33 Vollzeitstellen.