• Unternehmer-Vertreter kritisieren Sozialtransferleistungen, obwohl sie Mit-Verursacher sind!

    „Bei den von der Wirtschaftskammer vorgelegten Zahlen handelt es sich nicht nur um eine einseitige, sondern auch um eine höchst fragwürdige Interpretation der integrierten Lohn- und Einkommensstatistik Tirols“, kritisiert AK Präsident Erwin Zangerl. Tatsache ist: „Die aktiven und pensionierten Arbeitnehmer-Familien sind die wahren Leistungsträger im Land. Denn als die mit Abstand größte Bevölkerungsgruppe finanzieren sie mit Lohn- und Mehrwertsteuer insgesamt rund 80 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Mit diesen 80 Prozent erbringen die Arbeitnehmer den Löwenanteil der Steuern, die zu einem guten Teil in Förderungen auch für die Wirtschaft fließen.“

    Rechnet man die Mehrwertsteuer mit ein, stammen bei der Steuerleistung von 10 Euro ganze 8 Euro von den Arbeitnehmern und nur 22 Cent aus Vermögen. Spätestens hier wird klar, wer die Steuerzahler und damit die Leistungsträger im Land sind. Und genau hier muss die von uns geforderte Steuerreform ansetzen. Die unfaire Verteilung der Steuerlast hat in der Vergangenheit bereits dafür gesorgt, dass der Wohlstand immer ungleicher verteilt wurde. Mit der Folge, dass die Kaufkraft trotz steigenden Reichtums vor 20 Jahren um 3 % höher lag als heute.

    Besonders übel ist, dass die Wirtschaftskammer mehr als 100.000 Tiroler als „Transferleistungsempfänger“ diffamiert, weil durch sie die „armen Besserverdiener“ einem regelrechten Raubzug des Staates zum Opfer fallen würden. „In Wahrheit regen sich die Unternehmervertreter über Sozialtransferleistungen auf, die sie selbst mit verursachen“, stellt AK Präsident Zangerl klar.

    Ein genauerer Blick auf die Liste der „Leistungsempfänger“ macht deutlich, welche Gruppen hier betroffen sind: Nämlich alle, die ihr Einkommen aus einer geringfügigen oder einer Teilzeitbeschäftigung beziehen und deren Einkommen damit so gering ist, dass sie keine Steuern zahlen können. „Tirol wird immer mehr zum Teilzeitland, aktuell haben weniger als 50 Prozent der Arbeitnehmer eine ganzjährige Vollzeitbeschäftigung. Davon profitieren vor allem die Betriebe, weil sie sich Geld sparen“, erläutert der AK Präsident.

    Daneben spiegeln sich darin auch die niedrigen Einkommen in Tirol wider: „Wenn die Unternehmer endlich bessere Löhne und Gehälter zahlen würden, könnten die Arbeitnehmer auch mehr Lohnsteuer zahlen. Es darf doch nicht sein, dass die durchschnittlichen Netto-Einkommen der Frauen etwa im Bezirk Landeck bei 830 Euro liegen!“

    Als „Leistungsempfänger“ werden von der Wirtschaftskammer aber auch weitere Leistungsträger in unserem Land diffamiert: Neben mehr als 40.000 Pensionisten mit geringen Pensionen sind auch Hausfrauen, Mütter in Karenz, Beschäftigte in Bildungskarenz, Arbeitnehmer, die ihre Angehörige pflegen in dieser Gruppe zu finden. Sie alle erbringen wertvolle Leistungen für die Gesellschaft und tragen durch ihren Konsum natürlich auch zu den Mehrwertsteuer-Einnahmen bei.

    Und noch etwas sei den Wirtschaftskämmerern ins Stammbuch geschrieben: Das österreichische Steuersystem fußt auf fundamentalen Prinzipien. Zentral dabei ist das Leistungsfähigkeitsprinzip: Jeder trägt gemäß seinen Möglichkeiten zur Finanzierung der öffentlichen Aufgabe bei. Wer viel Geld zur Verfügung hat, hat auch die Verpflichtung, mehr beizutragen. Nur durch eine ausgewogene Lastenverteilung wird es möglich, Armut zu verhindern, Sicherheit und sozialen Frieden zu gewährleisten sowie die Infrastruktur und das Sozial- und Bildungssystem zu finanzieren – alles Faktoren, die die Attraktivität Österreichs als Lebens- und Wirtschaftsraum ausmachen. Jeder soll seinen angemessenen Beitrag leisten! Und den leisten die Beschäftigten in einem überdurchschnittlich hohen Maße und gehören endlich entlastet.

    Zangerl: „Dass etwas schief läuft, spüren die Beschäftigten schon seit langem. Bestätigung dafür erhielten sie zuletzt von der EU-Statistikbehörde Eurostat, die festgestellt hat, dass Österreich im EU-Vergleich (nach Belgien und Italien) die dritthöchsten Steuern und Abgaben auf Arbeit hat, und von jedem verdienten Euro durchschnittlich 41,5 Cent ans Finanzministerium fließen.“