• VVT sollte die Tarife senken, anstatt sie neuerlich zu erhöhen

    Mit 12. Jänner kündigte der VVT die gewohnte Erhöhung seiner Tarife mit 1. Februar an. Demnach werden ab nächstem Monat die Einzeltickets um durchschnittlich 2 % teurer, bei den Monats- und Jahreskarten beträgt die Erhöhung durchschnittlich 2,2 %.

    Auch wenn die Erhöhung prozentuell niedriger ausfällt als in den vergangenen Jahren, so verwundert diese Steigerung dennoch. So wurden übermäßige Tariferhöhungen in den vergangenen Jahren häufig mit stark steigenden Dieselpreisen begründet. Seit einigen Monaten sind aber die Treibstoffpreise stark gesunken mit dem Ergebnis, dass Diesel derzeit so günstig ist wie letztmals im Jahre 2009. An die Weitergabe dieser sinkenden Kosten an die Fahrgäste haben der VVT und die Verkehrsunternehmen aber offensichtlich kein Interesse.

    Nicht zum ersten Mal ergeben die Analysen der Arbeiterkammer Tirol, dass die Tarife nicht gleichmäßig für alle Zonen angehoben werden, sondern dass die Tarife auf wichtigen Pendlerstrecken stärker erhöht werden. So kostet die Jahreskarte für eine Strecke über drei bzw. vier Zonen (z.B. Innsbruck-Hall bzw. Innsbruck-Wattens) um 2,8 % mehr als bisher. Bekanntermaßen sind auf diesen Strecken besonders viele Pendler unterwegs. Seit 2009 – dem Jahr mit denselben Treibstoffpreisen wie heute – hat sich die Jahreskarte für 12 Zonen (z.B. Innsbruck-Imst) um 18 % erhöht, und die Jahreskarte für drei Zonen (z.B. Innsbruck-Hall) sogar um 26 %. „Daraus wird offensichtlich, wie dringlich eine Tarifreform des VVT ist“, so AK Präsident Erwin Zangerl.

    Positiv sind die angekündigten Tarife lediglich für jene Einpendler, die auch den Innsbrucker Stadtverkehr nützen und deshalb den Kernzonenzuschlag benötigen. Dieser wird nämlich von 297 auf 212 Euro und damit um 29 % gesenkt.

    Diese Tarifsteigerung ist somit eine negative Überraschung, zumal LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe seit Längerem eine Tarifreform angekündigt hat. Diese Tarifreform soll das Ziel haben, die Tarife für die Jahreskarten deutlich zu senken, um öffentliche Verkehrsmittel gerade für Pendler attraktiver zu gestalten. Im Koalitionsprogramm hat sich die Tiroler Landesregierung sogar die Jahreskarte um 365 Euro für ganz Tirol zum Ziel gesetzt. Doch anstatt dieses Versprechen umzusetzen, werden die Tarife weiter erhöht. Damit wird der Reformbedarf augenscheinlich. Ruhig geworden ist es auch in Hinblick auf die Umstellung auf ein elektronisches Ticketsystem mit kilometergenauer Abrechnung, das ebenfalls im Koalitionsprogramm festgehalten ist. Dieses System hätte den Vorteil, dass Ungerechtigkeiten und Härtefälle an den Zonengrenzen – allen voran bei der Kernzone Innsbruck – vermieden werden könnten. Die Arbeiterkammer Tirol fordert deshalb, endlich die lang angekündigte Tarifreform umzusetzen und damit Pendler spürbar zu entlasten.