Putenfleisch im AK Test: In vier von sieben Proben erhöhte Keimzahl festgestellt
Jedes Jahr werden in Österreich rund 10.000 Fälle lebensmittelbedingter Erkrankungen gemeldet – die Dunkelziffer dürfte aber höher liegen. Deshalb hat die AK Tirol in sieben Tiroler Supermärkten verpacktes Putenfleisch gekauft und auf pathogene Keime prüfen lassen.
Noch am Tag des Einkaufs wurden die Proben bei der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES) untersucht: Auf Aussehen, Geruch und Geschmack sowie mikrobiologisch auf Verderbnis-Erreger und hygienisch relevante Keime – darunter die häufigsten, Campylobacter und Salmonellen.
Ergebnis
Bei vier von sieben Proben (57 %) wurde eine erhöhte Keimzahl festgestellt: Bei drei Proben waren Campylobacter nachweisbar, bei einer Salmonellen und Campylobacter.
Gesetz
Aus lebensmittelrechtlicher Sicht waren die vier kontaminierten Proben allerdings nicht zu beanstanden. Die Verpackungen enthielten jeweils entsprechende Kühl-, Hygiene- und Erhitzungshinweise, weshalb den gesetzlichen Vorschriften entsprochen wurde. Denn die Beurteilung, ob ein Lebensmittel für den menschlichen Verzehr geeignet ist, erfolgt für den Zeitpunkt und Zustand seines Konsums. Und bei Putenfleisch ist dies ein vollständig durcherhitzter, und eben kein roher Zustand.
Das Ergebnis zeigt aber, wie wichtig Einhalten der Kühlkette, richtige Lagerung und gründliche Küchenhygiene sind. Vor allem aber sollten Konsumenten beachten, dass Geflügel vor dem Verzehr vollständig durcherhitzt wird, denn dadurch werden Salmonellen, Campylobacter & Co. abgetötet.
Die Supermärkte wurden bereits zur Stellungnahme und Überprüfung Ihrer Hygienepraxis aufgefordert. Details zum Test gibts auf www.ak-tirol.com
Forderungen der AK Tirol
Einhaltung der Prinzipien der Guten Hygienepraxis und Risikominimierung auf betrieblicher Ebene sowie entsprechende Kontrollen.
Es kann nicht sein, dass die gesamte Verantwortung auf den Konsumenten abgewälzt wird.
Zumindest sollten Hygienehinweise sowie Hinweis auf die Notwendigkeit, die Produkte vollständig zu erhitzen, im Sichtfeld des Konsumenten – auf der Vorderseite der Verpackung – leicht erkennbar, in entsprechender Schriftgröße gut lesbar platziert werden.
AK Tipps für Lagerung und Zubereitung:
Salmonellen kommen in rohen Eiern, Fleisch und Geflügel vor und sind vor allem gefährlich für Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Campylobacter lösen bakterielle Darmerkrankungen aus. Die Infektion erfolgt meist über nicht vollständig erhitztes Geflügelfleisch und mangelnde Küchenhygiene.
Deshalb:
Auf die Kühlung achten: Fleisch, Fisch und Geflügel so rasch wie möglich und gekühlt nach Hause transportieren und im Kühlschrank bei höchstens 4° C lagern.
Gründliche Küchenhygiene: Fleisch, Fisch und Geflügel gesondert bearbeiten und danach Hände gründlich waschen. Messer und Schneidbrett nach dem Kontakt sehr heiß oder im Geschirrspüler waschen und nicht mit Lebensmitteln in Kontakt bringen, die roh verzehrt werden, z. B. als Salat. Arbeitsflächen gründlich reinigen.
Durcherhitzen: Geflügel muss vollständig auf zumindest 70° C Kerntemperatur während 10 Minuten erhitzt werden, damit sämtliche Keime absterben.
